Samira Pusch: Innovation in der Demenzpflege mit Future Care Farm
- tobiasmalm
- 11. März
- 5 Min. Lesezeit

Möchten Sie uns etwas über sich und Ihre Interessen außerhalb der Arbeit erzählen?
"In meiner Freizeit bin ich gerne aktiv und treibe Sport. Ich verbringe viel Zeit mit meinem Hund und meiner Katze, die mir sehr am Herzen liegen. Außerdem liebe ich es, neue Orte zu entdecken und zu reisen, um meinen Horizont zu erweitern. Besonders genieße ich es, gemeinsame Unternehmungen mit meiner Familie und meinen Freunden zu planen, sowie Zeit mit ihnen zu verbringen."
Könnten Sie uns kurz etwas über Ihren Werdegang als Krankenpfleger erzählen und was Sie zur Altenpflege bewegt hat?
"Im Jahr 2021 habe ich meine Ausbildung zur Pflegefachfrau begonnen, da mich das Thema Pflege bereits seit meiner Kindheit fasziniert. Mein Interesse wurde besonders geprägt, als meine Uroma 2011 an Demenz erkrankte und wir sie auf unserem Bauernhof gemeinsam pflegten. Aus dieser Erfahrung heraus entstand bei meinem Vater die Idee, einen Pflegebauernhof zu gründen. 2019 gründete er den Pflegedienst ‚Natürlich‘, einen speziellen Pflegedienst für Pflegebauernhöfe. Im August 2024 habe ich meine Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und bin seitdem als stellvertretende Pflegedienstleitung auf dem Pflegebauernhof in Marienrachdorf tätig."
Würde es Ihnen etwas ausmachen, eine kurze Einführung in die Demenzfarm Ihrer Familie zu geben?
"Ein Pflegebauernhof verbindet die traditionellen Tätigkeiten der Landwirtschaft mit der Pflege und Betreuung älterer Menschen. Auf unserem Hof werden weiterhin landwirtschaftliche Arbeiten ausgeführt, während gleichzeitig ein Ort geschaffen wird, der älteren Menschen eine vertraute, naturnahe Umgebung bietet. Diese innovative Kombination bringt zahlreiche Vorteile mit sich: Die Senioren profitieren von der Struktur und dem aktiven Leben auf dem Bauernhof, während die Bauern durch die Pflege eine wirtschaftliche Grundlage erhalten, die ihre Existenz sichert. Dieses Konzept bewahrt die Tradition kleiner Höfe, fördert die Erzeugung gesunder Lebensmittel und legt großen Wert auf das Wohl der Tiere. Dadurch wird der Pflegebauernhof zu einem nachhaltigen und zukunftsorientierten sozialen Modell."
Was hat Sie motiviert, das innovative Pflegebauernhof-Konzept Ihrer Familie weiterzuführen und auszubauen und welche konkreten Vorteile bietet dieses Modell den Bewohnern im Vergleich zu herkömmlichen Pflegeheimen?
"Im Rahmen meiner Ausbildung in verschiedenen Pflegeeinrichtungen habe ich erkannt, wie einzigartig und besonders unser Pflegebauernhof ist – eine Oase für Menschen mit Demenz. Dieses Konzept bietet nicht nur eine Alternative zu herkömmlichen Pflegeheimen, sondern liefert auch Antworten auf viele gesellschaftliche Herausforderungen. Deshalb bin ich hoch motiviert, dieses innovative Projekt weiterzuführen und auszubauen.
Der Pflegebauernhof schafft eine familiäre Atmosphäre, in der sich die Bewohner geborgen fühlen. Gleichzeitig werden sie in sinnvolle und natürliche Aufgaben eingebunden, wie etwa das Versorgen der Tiere, das Einsammeln von Eiern oder das Mithelfen bei der Zubereitung des Mittagessens. Diese Tätigkeiten fördern nicht nur die körperliche und geistige Aktivität, sondern geben den Bewohnern ein Gefühl von Selbstwert und Teilhabe am Leben. Dieses Modell bietet den Senioren eine naturnahe, strukturierte Umgebung, die weit über das hinausgeht, was in herkömmlichen Pflegeheimen möglich ist."
Können Sie beschreiben, wie die täglichen Aktivitäten auf dem Pflegebauernhof die soziale Integration und das körperliche Wohlbefinden der älteren Bewohner verbessern?
"Die täglichen Aktivitäten auf einem Pflegebauernhof fördern sowohl die soziale Integration als auch das körperliche Wohlbefinden der älteren Bewohner auf einzigartige Weise. Der Alltag auf dem Hof gibt den Bewohnern einen sinnvollen und klaren Rhythmus, der ihnen Struktur und Orientierung bietet. Tätigkeiten wie das Füttern der Tiere oder das Bringen der Tiere auf die Weide schaffen nicht nur eine klare Aufgabe, sondern vermitteln auch ein Gefühl von Verantwortung und Zweck, das für viele ältere Menschen besonders wichtig ist.
Diese Aktivitäten fördern die körperliche Aktivität auf eine natürliche und sanfte Weise, da die Aufgaben an die individuellen Fähigkeiten der Bewohner angepasst werden können. Gleichzeitig wird die soziale Interaktion gestärkt, da viele Arbeiten gemeinsam erledigt werden, sei es beim Sammeln von Eiern oder bei der Zubereitung von Mahlzeiten unteranderem aus hofeigenen Produkten.
Tiere spielen hierbei eine zentrale Rolle: Studien zeigen, dass der Kontakt mit Tieren eine nachweislich positive Wirkung auf Menschen mit Demenz hat. Symptome wie Unruhe, Aggressionen oder depressive Verstimmungen können durch die Nähe zu Tieren deutlich gelindert werden. Tiere wirken beruhigend, fördern das emotionale Wohlbefinden und laden die Bewohner zu spontanen, herzlichen Interaktionen ein.
Durch diese Kombination aus sinnstiftenden Tätigkeiten, sozialer Gemeinschaft und der heilenden Wirkung der Tiere entsteht eine lebendige und zugleich geborgene Atmosphäre, die die Lebensqualität der Bewohner erheblich steigert. Der Pflegebauernhof bietet so einen Ort, an dem ältere Menschen aktiv, eingebunden und wertgeschätzt ihren Alltag verbringen können."
Welche Pläne haben Sie für den Ausbau des Pflegefarm-Konzepts und welche Herausforderungen erwarten Sie in diesem Wachstumsprozess?
"Mein Ziel ist es, das Pflegebauernhof-Konzept mit der Initiative ‚Zukunft Pflegebauernhof‘ auf eine internationale Ebene zu bringen. Wir planen, ein Franchisesystem zu entwickeln, das es ermöglicht, unser erfolgreiches Modell an andere weiterzugeben und bestehende Projekte gezielt zu unterstützen. Dadurch möchte ich die Idee eines naturnahen und gemeinschaftlichen Ansatzes in der Pflege weiterverbreiten und nachhaltig etablieren.
Im Fokus steht dabei, die Lebensqualität von Pflegebedürftigen zu verbessern, die Arbeitsbedingungen und die Atmosphäre für Pflegekräfte zu bereichern und gleichzeitig dem Aussterben familiärer Höfe entgegenzuwirken. Die Verbindung von Pflege und Landwirtschaft bietet hier eine einzigartige Chance, soziale, wirtschaftliche und ökologische Aspekte in Einklang zu bringen.
Herausforderungen in diesem Wachstumsprozess sehe ich vor allem in der Entwicklung eines standardisierten Systems, das dennoch genügend Flexibilität bietet, um sich an lokale Gegebenheiten anzupassen. Auch die Schulung und Begleitung neuer Pflegebauernhof-Betreiber wird eine wichtige Rolle spielen, um die hohen Qualitätsstandards sicherzustellen.
Mit meiner Leidenschaft, Kreativität und meinem Engagement für die Pflege bin ich entschlossen, neue Impulse zu setzen und aktiv zu einer positiven Veränderung beizutragen. Mein Ziel ist es, ein Modell zu schaffen, das nicht nur pflegebedürftigen Menschen zugutekommt, sondern auch Pflegekräften und ländlichen Gemeinschaften neue Perspektiven eröffnet."
Was bedeutet der Gewinn des QSNA für Sie persönlich und beruflich?
"Der Gewinn des QSNA bedeutet für mich persönlich und beruflich einen großen Meilenstein. Er öffnet mir viele neue Türen, da er nicht nur die Bekanntheit unseres Projekts steigert, sondern auch die Möglichkeit schafft, wertvolle Kontakte zu knüpfen. Diese neuen Verbindungen können dazu beitragen, unser Konzept weiter zu verbreiten und wichtige Unterstützer zu gewinnen.
Ich hoffe, dass wir durch diese Anerkennung die Grundlage dafür legen können, weitere Pflegebauernhöfe zu eröffnen, sodass noch mehr Menschen von diesem besonderen Modell profitieren können. Für mich ist dieser Gewinn nicht nur eine Auszeichnung, sondern auch eine Inspiration, unsere Vision weiterzuentwickeln und die Pflege nachhaltig zu verändern."
Welche Erwartungen haben Sie an Ihr Jahr als QSNA-Gewinner?
"Als QSNA-Gewinner habe ich große Erwartungen an das kommende Jahr und sehe darin eine einmalige Chance, das Projekt ‚Zukunft Pflegebauernhof‘ entscheidend voranzubringen. Ich hoffe, durch die gesteigerte Aufmerksamkeit mehr Menschen auf unser Konzept aufmerksam zu machen und potenzielle Unterstützer, wie Investoren, Partner oder politische Entscheidungsträger, zu gewinnen.
Ein weiterer Fokus liegt darauf, unser Netzwerk zu erweitern, um von anderen innovativen Ansätzen und Erfahrungen zu lernen, die unser Projekt bereichern können. Ich möchte das Jahr nutzen, um neue Kooperationen zu knüpfen, ein Franchisesystem zu entwickeln.
Darüber hinaus hoffe ich, dass die Auszeichnung dazu beiträgt, das Bewusstsein für alternative, naturnahe Pflegekonzepte zu stärken und die Bedeutung von Lebensqualität, Gemeinschaft und Nachhaltigkeit in der Pflege hervorzuheben. Für mich ist dieses Jahr nicht nur eine Möglichkeit, das Konzept weiter zu verbreiten, sondern auch, als Botschafterin für einen Wandel in der Pflege zu wirken und eine langfristige Bewegung anzustoßen."
Welchen Rat würden Sie anderen Angehörigen der Gesundheitsberufe geben, die in der Altenpflege Innovationen einführen möchten?
„Mein Rat an andere Angehörige der Gesundheitsberufe, die in der Altenpflege Innovationen einführen möchten, wäre, an ihrer Idee festzuhalten, auch wenn es zu Beginn Herausforderungen oder Widerstand gibt. Innovationen erfordern oft Geduld und Durchhaltevermögen, da Veränderungen in etablierten Strukturen nicht immer sofort akzeptiert werden. Es ist wichtig, den Glauben an die eigene Vision zu bewahren und kontinuierlich nach Lösungen zu suchen, um Hindernisse zu überwinden.
Ich würde auch empfehlen, sich nicht isoliert zu sehen, sondern aktiv den Austausch mit anderen Fachkräften und Institutionen zu suchen. Zusammenarbeit und die Bereitschaft, voneinander zu lernen, sind entscheidend, um neue Ansätze erfolgreich umzusetzen. Außerdem ist es hilfreich, frühzeitig die Unterstützung von Entscheidungsträgern und Partnern zu gewinnen, die an die Idee glauben und bereit sind, sie mitzutragen. Letztlich geht es darum, Veränderungen nicht als Hindernis, sondern als Chance zu sehen – um die Pflegequalität zu steigern und das Leben der Menschen, die wir betreuen, nachhaltig zu verbessern.“
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